Lindau
"Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf"
Willy Brandt

Unverfroren

Leserbrief zur Bahnhofsdiskussion von Eckhardt Folkmer, Bodolz

Kreativ in der Bahnhofsdiskussion ist allenfalls die CSU, die im Stadtrat deutlich unterlegen ist.

Ständig wollen ihre Leserbriefschreiber uns einen alleinigen Bahnhof in Reutin aufschwätzen und vertreten damit lediglich die Interessen der DB-AG, Lindau als Bahnhalt so billig wie möglich und gewinnbringend durch den kompletten Verkauf der dann entstehenden Bahnhofsbrache durchzuziehen. Den Kostenvergleich der Reutin-Lösung mit der Kombi-Lösung können diese Reutin-Verfechter nicht akzeptieren. Darum werden die Kosten eines zusätzlichen Bus-Zubringers auf die Insel angezweifelt und unverfroren als „schöngefärbt” bezeichnet. Ein redlicher Kritiker müsste hierzu die Gegenrechnung aufmachen. Aber die fehlt.

Unser Stadtbus, der mit seinen vier Linien ein Defizit von 1,6 Millionen Euro einfährt, bräuchte eine fünfte Linie, die den Transport der Bahnreisenden vom Bahnhof Reutin auf die Insel und wieder zurück bereitstellt. Eine Buslinie im Halbstundentakt macht durchschnittlich 400.000 Euro Defizit im Jahr. Ein zusätzlicher Bus-Shuttle fährt nach meinen Informationen im unregelmäßigen Takt des Fahrplans der ankommenden und abfahrenden Züge. Das erfordert z.T. zwei Busse gleichzeitig und auch immer wieder in kürzeren Intervallen wie die übrigen Stadtbusse, z.B. zehn Minuten. Er muss nach Bedarf zur Verfügung stehen. Das kostet in jedem Fall deutlich mehr als auf den Taktlinien. Und zwar in jedem Jahr! Das hat die Stadtbus GmbH errechnet. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass da Spezialisten sitzen, die das können. Sie waren und sind ja auch in der Lage in Lindau ein Bussystem zu konzipieren, das eines der modernsten und erfolgreichsten in der Bundesrepublik ist.

Artikel veröffentlicht am: 15. Juli 2011