Lindau
"Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf"
Willy Brandt

Thema Hauptbahnhof

Stellungnahme zu den Gesprächen mit der DB-AG zum Hauptbahnhof Lindau-Reutin

Wenn jetzt die Befürworter der Kombilösung und die Bürgerinitiative für den Reutiner Hauptbahnhof aufeinander zugehen wollen, so ist dies mit Sicherheit ein Fortschritt nach dieser erbitterten Mobilisierungskampagne der Bürgerinitiative, bei der es aus allen Ecken der wild zu plakatierten Stadt schrie: “Wir sind das Volk! Vernunft statt Parteipolitik!” Dabei wurden einzelne Stadtteile zugunsten anderer gegeneinander ausgespielt. Vielen Aeschachern wurde die Zerstörung ihres Wohnumfelds hinter zumindest (laut Bahn) 3,5 Meter hohen Schallschutzmauern zugemutet, was die Befürworter der Reutin-Lösung vor der eigenen Haustüre nicht hinnehmen würden. Ein tiefer Riss geht durch die Lindauer Bevölkerung bis in die Familien.

Darum jetzt also zurück zu den Fakten: Der zweite Bürgerentscheid, diesmal für den Hauptbahnhof in Reutin mit Inselanbindung auf der Schiene, hat ebenfalls eine Mehrheit bekommen, mehr noch als der Bürgerentscheid zu Gunsten der Kombi-Lösung. Er verpflichtet die Stadt und ihren Oberbürgermeister zu Verhandlungen mit der DB AG (Netz) in diesem Sinne.

Er verpflichtet jedoch nicht die DB AG, diesem Lösungsvorschlag zuzustimmen und ihn auch umzusetzen. Im Gegenteil, diese Lösung der Lindauer Bahnhofsfrage war über Jahre der einstimmige Vorschlag des Lindauer Stadtrats und wurde auch von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft unterstützt, die bereit war, die notwendige Anbindung der Insel mit Regionalzügen in allen drei Richtungen zu bestellen und zu bezahlen. Diese Übereinkunft wurde vor knapp einem Jahr einseitig von der DB AG (Netz) gekündigt.

Dabei ist es für die DB AG belanglos, ob hier eine Privatbahn fahren würde oder die vom Freistaat bestellten Regionalzüge. Das Planfeststellungsverfahren wurde eingestellt. Dabei wollte die DB AG die Gleise auf die Insel von allen Seiten und auf dem Eisenbahndamm abbauen und den ganzen Zugverkehr ausschließlich über Reutin abwickeln. Die Verbindung zur Insel sollte auf der Straße erfolgen. Sollten die Lindauer jedoch an ihrem Inselbahnhof festhalten, würde der Lindauer Eurocity-Halt in Richtung Schweiz und Österreich entfallen.

Die Antwort darauf war die Kombi-Lösung. Diese fand letztlich die Zustimmung:

  • der DB (Netz), wobei diese nicht verschwieg, dass ihr die Reutin Lösung ohne Inselanbindung auf der Schiene lieber wäre,
  • der Bayerischen Eisenbahngesellschaft als Auftraggeber des Regionalverkehrs,
  • des Bayerischen Verkehrsministeriums, das 3,5 Millionen € zur Verfügung stellte,
  • des Lindauer Stadtrats mit Zweidrittelmehrheit und
  • mit über 60 Prozent der Lindauer Bevölkerung.

Diese Lösung benötigt kein neues Planfeststellungsverfahren. Sie könnte jederzeit in Angriff genommen werden. Wie viele Chancen, auch im Hinblick auf den Zeitdruck, unter dem die Bahn mittlerweile steht, die Reutin-Lösung der Bürgerinitiative hat, das hätten deren Betreiber den Bürgern besser gleich gesagt!

Artikel veröffentlicht am: 15. Juni 2012