Lindau
"Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf"
Willy Brandt

Starkbier und deftige Kost – SPD klärt in Blaichach auch Seehofer-Nachfolge

Blaichach. Beim Starkbierfest der Allgäuer SPD bedachte Gastredner Dr. Linus Förster, Mitglied des Bayerischen Landtags und Vorsitzender der SPD Schwaben, den politischen Gegner mit viel gutmütigem Spott, sparte aber auch nicht mit schweren Vorwürfen. Den Reden führender Unionspolitiker nach zu urteilen, herrsche dort offensichtlich das ganze Jahr über Aschermittwoch. Angesichts der gegenwärtigen Krisensituation in Europa sei dies jedoch völlig unangemessen. Immerhin sei jetzt die Frage nach dem künftigen Bayerischen Ministerpräsidenten so gut wie beantwortet. An Söder führe wohl kein Weg mehr vorbei.

Scharf kritisierte der Redner Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der den Flüchtlingsstrom unlängst mit einer Lawine verglichen habe. Es handele sich aber, so Förster, um Menschen in Not, nicht um eine Naturkatastrophe. Noch bedenklicher sei die Forderung des Bayerischen Ministerpräsidenten, sich gegen Zuwanderung „bis zur letzten Patrone zu schützen.“ Das sei schon fast dieselbe menschenverachtende Stimmungsmache, wie sie die rechtspopulistische AfD betreibe. Überhaupt neige Seehofer dazu, stets allzu einfache Lösungen anzubieten, die den Problemen in der Realität nicht gerecht würden. Wie wolle denn Bayern die von der Staatsregierung propagierten Obergrenzen durchsetzen? „Mit Zäunen und Patrouillen“, wie Finanzminister Söder vorgeschlagen habe? Auch die schweren wirtschaftlichen Schäden als Folge derartiger Maßnahmen gelte es zu bedenken.
Förster gab ferner bekannt, dass über den künftigen Bayerischen Ministerpräsidenten längst entschieden sei, auch wenn der derzeitige Amtsinhaber selbst dies immer noch nicht wahrhaben wolle. Denn es gelte seit langem im Freistaat das ungeschriebene Gesetz, dass für dieses Amt nur Personen in Frage kämen, deren Name mit dem Buchstaben „S“ beginne: Strauß, Streibl, Stoiber, Seehofer und jetzt eben Söder. Die einzige Ausnahme sei Beckstein gewesen, der vermutlich gerade deswegen gescheitert sei.
Markus Kubatschka, Vorsitzender der SPD Allgäu-Bodensee, wies darauf hin, dass auch die Ungewissheit über den Verbleib Großbritanniens in der EU Bestandteil der gegenwärtigen Krise sei. Seiner Meinung nach wäre es aber kein Schaden, wenn die Engländer, die die europäische Entwicklung von Anfang an immer nur gebremst hätten und lediglich für sich selbst Sonderrechte und finanzielle Vorteile herausschlagen wollten, demnächst für den Austritt stimmen würden. Dann müsse im Gegenzug nur Schottland seine Unabhängigkeit von Großbritannien erklären und könne dann in der EU verbleiben, kam die Reaktion aus dem Publikum. Auf eine so einfache Lösung wäre vermutlich nicht einmal Horst Seehofer gekommen.

Artikel veröffentlicht am: 23. März 2016