Lindau
"Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf"
Willy Brandt

SPD diskutierte über Kinderkrippen

Bei der Diskussion zum Thema "Kinderkrippen - wir wollen zukunftsfähig sein" nahmen Gabriele Fograscher (SPD), Bundestagsabgeordnete aus dem Donau-Ries, Katharina Schrader, Bundestagskandidatin der SPD im Wahlkreis, Jörg Hilbert, Landtagskandidat der SPD und der Vorsitzende der im Immenstädter Stadtratsfraktion, Peter Elgaß, teil. Alle betonten in ihren Statments die Notwendigkeit weiterer Kindertagsplätze. Die anschließende offene Gesprächsrunde war sehr lebhaft und intensiv.

Gabi Fograscher, selbst gelernte Erzieherin, Fachlehrerin und langjährige Betreiberin einer Wohngruppe für aus ihren Familien rausgenommenen Jugendlichen, betonte, dass die Kinderkrippen eine Chance für Kinder mit schwierigen Hintergrund wäre. Man sollte die Krippen nicht als Verwahranstalt, sondern als Bildungseinrichtung auffassen, um Kindern eine möglichst frühe Förderung zukommen zu lasse da dies die Basis ist für einen späteren Erfolg im Leben. Sie sprach sich gegen das Betreuungsgeld aus, da dass Geld die Eltern zum Lebensunterhalt bräuchten und somit nicht den Kindern zu gute kommt oder bei Eltern, die es sich sowieso leisten könnten, dass die Mutter daheim bleibt, bräuchten es sowieso nicht. Dieses Geld sollte besser in eine vernünftige Betreuung gesteckt werden.  Außerdem seien genau die Personenkreise, die das Geld am ehesten bräuchten, auf eine gute Betreuung angewiesen, da das Gehalt eines Alleinverdieners nicht reicht und Alleinerziehende einer Arbeit nachgehen müssten, und somit von dem Betreuungsgeld nichts hätten.
Katharina Schrader, selbst Mutter von zwei Söhnen und im ELternbeirat eines Kindegartens hat selbst ihre Kinder früh an eine Tagesmutter abgegeben, da es zu dem damaligen Zeitpunkt noch keine Kinderkrippe gab. Nach ihrer Erfahrung hat es ihren Kinder gut getan, da sie dort eine Vielfalt von neuen Möglichkeiten bekommen hätten, die sie daheim nicht gehabt hätten: einen Spielplatz draußen, Malen und Handwerken und natürlich Gleichaltrige, so dass Katharina Schrader schon häufig von verschieden Kindern gehört hat: Muss ich denn schon nach Hause? Außerdem würden schon früh soziale Kompetenzen durch das Gruppenerlebnis erworben und es könnten früh Defizite aufgefangen werden.
Jörg Hilbert bekundete nochmals sein Unverständnis für das Betreuungsgeld, welches nicht einmal Klientelpolitik wäre. Deren wichtigstge Voraussetzung wäre, keine Inanspruchnahme einer Kita. Als ob es bei Nichtnutzung der Bücherei einen Anspruch auf Büchergeld gäbe. Die Begründung, dadurch würde Wahlfreifeit geschaffen werden, sei Augenwischerei, da Alleinerziehende und Familien, wo beide arbeiten müssen, es keine Wahlfreiheit für 100 Euro gäbe. Nachdem Hartz IV Empfängern das Geld angerechnet würde, ist das Betreuungsgeld nur ein Zusatzeinkommen für Gutverdiener.
Peter Elgaß ging auf die besonder Situation in Immenstadt ein, wo zwei Krippengruppen schon geplant sind, aber der Bau durch die CSU+ (mit JA und FW) im Stadtrat gestoppt wurde, da man erst den Bedarf abwarten wolle und die Kinder ja nach Kempten geschickt werden können. Dies alles, um zu sparen. Sogar eine kräftige Erhöhung der Gebühren fordert die CSU. Katharina Schrader erklärte hierzu postwendend, dass es eh zu wenig Plätze in Kempten gebe und falls nur eine weitere Gruppe angekündigt wird, dies innerhalb weniger Tage ausgbucht ist. Peter Elgaß forderte eine Diskussion über die Öffnungszeiten, die teilweise viel zu kurz sind, nicht um das ob.
In der anschließenden intensiven Diskussion wurde von Armin Ländle noch die Frage der Finanzierbarkeit aufgeworfen, da man es nicht wie Kanzlerin Merkel machen könne, viel zu versprechen und nachher nicht einhalten. Die Antwort kam promt. Das Geld aus dem Betreuungsgeld soll in den Ausbau fließen und zudem forderte Jörg Hilbert eine Änderung des kommunalen Finanzausgleichs in Bayern,der mehr Geld den Kommunen in die Kassen spülen sollte. Als letzter Punkt wurde von Markus Kubatschka  noch angesprochen, was es für ein volkswirtschaftlicher Unsinn es sein, von der öffentlichen Hand gut ausgebildete Frauen sich zwischne Beruf und Kinder entscheiden zu lassen oder dann durch mangelnde Betreuungsmöglichkeit zu zwingen, daheim zu bleiben.

Fotos und Bericht: M. Kubatschka

Artikel veröffentlicht am: 13. Juli 2013