Lindau
"Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf"
Willy Brandt

Neujahrsrede von Natascha Kohnen: Demokratische Kräfte gegen Terror verbinden

Das schreckliche Attentat von Paris überschattete auch die Stimmung beim Jahresempfang der Oberallgäuer SPD am 10. Januar in der Markthalle in Sonthofen. Die Generalsekretärin der Bayern-SPD, Natascha Kohnen widmete als Hauptrednerin einen großen Teil Ihrer Ansprache den Terror-Anschlägen und den Konsequenzen, die alle Demokraten daraus ziehen sollten.

Natascha Kohnen machte deutlich, dass dem Terror der fundamentalistischen IS-Anhänger nur mit der Geschlossenheit der Demokraten in Deutschland, Europa und der Welt entgegengetreten werden kann. Kohnen erhielt für ihren Aufruf zur Geschlossenheit aller Demokraten auch den ungeteilten Applaus des CSU-Landrats Toni Klotz und der Landtagsabgeordneten Leopold Herz (Freie Wähler) und Ulli Leiner (Bündnis 90/Die Grünen).

Natascha Kohnen gelang es sehr schnell, in ihrer Ansprache die Gäste des Neujahrsempfang zu begeistern. Sie habe beim Antritt des Amtes 2009 bereits deutlich gesagt, dass sie in Gegensatz zu dem jetzigen Generalsekretär der CSU keine groben Klötze setzen, sondern die ein gutes Miteinander pflegen wolle. Die blutigen Vorfälle in Paris haben sich nur wenige Straßen entfernt von dem Platz ereignet, wo sie während ihres dreijährigen Aufenthaltes in der französischen Hauptstadt gewohnt habe. Das mache besonders betroffen. Alle demokratischen Parteien sollten das Signal verstehen und der Bedrohung gemeinsam entgegenwirken. Nicht mit hektisch hervorgezerrten Sofortmaßnahmen, wie der lückenlosen Vorratsdaten-Erfassung, sondern mit gemeinsam erarbeiteten wirkungsvollen Maßnahmen. Insbesondere sollte es nicht eine pauschale Verurteilungen des Islams geben. Die Attentäter von Paris haben den Glauben für ihre Schreckliche Tat missbraucht, betonte Kohnen.
Ihre persönliche Betroffenheit konnte Kohnen auch in der Asylbewerber-Frage den Gästen deutlich machen: Sie selbst habe in der Münchner Bayern-Kaserne Zustände erlebt und gesehen, die nur schwer zu beschreiben sind. Statt traumatisierten Menschen Hilfe und Willkommen anzubieten, habe sie Menschen ohne Betreuung auf dem Gehweg schlafen gesehen. Die Rednerin erinnerte daran, dass es noch gar nicht so lange her sei, dass in Deutschland sehr viele Einwohner eine neue Heimat suchen mussten. Auch ihre Großeltern seien damals als Flüchtlinge nach Freilassing gekommen und seien dort gut aufgenommen worden.
Kohnen ging auf verschiedene Leistungen ein, die mit Hilfe der SPD im letzten Jahr verwirklicht wurden. Sie nannte beispielsweise den Mindestlohn als einen Meilenstein sozialdemokratischer Politik. Die Rente mit 63 rechtfertigte sie als ein Dankeschön an die Generation, die Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut habe: „Diese Menschen haben es nach 45 arbeitsreichen Jahren verdient, in Rente zu gehen“. Kohnen betonte aber auch, dass nach diesem Gesetz nicht jeder mit 63 den Renteneitritt beanspruchen könne. „In Stufen wird das Eintrittsalter erhöht und somit sei ein fließender Übergang geplant und gewollt.

Natscha Kohnen gelang es in Sonthofen, mit ihrer integrierenden Art und ihren verbindenden Worten die Zuhörer zu begeistern. Insbesondere, als sie zum Schluss mit einem erkennbaren Stolz darauf hinwies, dass die Sozialdemokratische Partei Deutschlands die älteste Demokratiebewegung in unserem Lande ist, und dass die Leistungen unsere Vorväter für die heutige Generation Verpflichtung und Vorbild sei. Mit dem Zusammenhalt der demokratischen Kräfte gegen blutigen Terror hatte die Generalsekretärin der SPD ihre Rede begonnen, mit diesem Aufruf beendete sie auch ihre beeindruckende Neujahrsrede – und bekam dafür lange anhaltenden Applaus.

Bericht und Photo: Peter Elgaß

Artikel veröffentlicht am: 13. Januar 2015