Lindau
"Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf"
Willy Brandt

“Kohl verteidigt Atomkraft”

Leserbrief an die Schwäbische Zeitung zum Artikel: Kohl verteidigt Atomkraft (Schwäbische Zeitung vom 26.03.2011)

Die Schwäbische Zeitung zitiert den ehemaligen Bundeskanzler Kohl in ihrer Samstagausgabe folgendermaßen: „Die Kernenergienutzung ist durch das Unglück in Japan nicht gefährlicher geworden als sie es vorher gewesen ist.“ Diesen Satz kann ich nur unterstreichen. Die Kernenergie war schon immer in gleichem Maße gefährlich! Wer in der Vergangenheit auf diese Gefahr hingewiesen hat, wurde gerne als weltfremder Bedenken-Träger bezeichnet. Die mit der Nutzung der Kernenergie verbundenen Gefahren wurden und werden noch immer als „Restrisiko“ verharmlost, das aufgrund der geringen Eintritts-Wahrscheinlichkeit vernachlässigt werden kann. Mit furchtbaren Folgen für die betroffenen Menschen realisiert sich nun dieses „Restrisiko“ in Japan – und die Verantwortlichen dort bekommen die Lage nicht in den Griff. Woher nehmen die Verantwortlichen bei uns die Sicherheit, zu behaupten, bei uns könnten keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten, die zu einer unbeherrschbaren Situation führen könnten? Wie oft muss sich ein „Restrisiko“ realisieren, bevor es ernst genommen wird?

Ursula Heuß, Lindau

Artikel veröffentlicht am: 28. März 2011