Lindau
"Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf"
Willy Brandt

Jugendmedienschutz und die Digitale Agenda für Europa

Lesen Sie einen Gastbeitrag von Ulrike Bahr, MdB
Eltern und Großeltern, Lehrerinnen und Erzieher beobachten seit Jahren mit Stolz, aber auch mit Sorge, wie sich immer jüngere Kinder spielerisch das Internet und digitale Medien erschließen. Diese Entwicklung ist nicht zu stoppen und hat auch viele gute Seiten. Die Fähigkeit, im Internet Informationen zu finden und zu bewerten, also eine generelle Medienkompetenz, ist in zwischen eine Voraussetzung für Erfolg in Schule, Studium, Ausbildung und Beruf.
Andererseits lauern im Internet aber auch Gefahren für Kinder und Jugendliche. Ohne Schutz stoßen sie schnell auf ungeeignete Inhalte, illegale Angebote oder werden sogar Opfer sexueller Ausbeutung, z.B. durch „Cyber Grooming“ – gezielte sexuelle Ansprache von Kindern – in nicht moderierten Chat-Angeboten.
Die Europäische Kommission hat sich darum in ihrer Digitalen Agenda zum Ziel gesetzt, sichere Internetangebote für Kinder und Jugendliche zu fördern. Das soll in Zusammenarbeit mit den Anbietern und mit Hilfe von Selbstkontrolle und Selbstverpflichtungen umgesetzt werden. Ein interessantes Projekt dazu ist POSCON (Positive Online Content and Services for Children in Europe), bei dem sich Organisationen aus 15 europäischen Ländern zusammengeschlossen haben, um Kriterien für sinnvolle, kind- und jugendgerechte Angebote im Internet zu erarbeiten.
Jugendmedienschutz muss immer mehrere Aspekte umfassen:
  • ein technischer Jugendschutz, der ungeeignete Inhalte sperrt. Solche Programme müssen einfach zu installieren und einzustellen sein. Für verschiedene nationale Konzepte muss es Schnittstellen und übergreifende Konzepte geben, denn das Internet macht nicht vor Landesgrenzenhalt.
  • eine Sensibilisierung von Eltern und Lehrern, damit ein technischer Schutz nicht nur auf dem Computer daheim, sondern auch in der Schule und auf mobilen Endgeräten (Tablets, Smartphones) installiert wird. Der Verein „fragFINN“ stellt für Smartphones und Tablets aller Betriebssysteme eine kostenlose „Kinderschutz-App“ zur Verfügung. Es ist wichtig, möglichst viele Eltern mit Informationen und Angeboten zu erreichen.
  • eine gezielte pädagogische Förderung von Medienkompetenz, die z.B. über Kindersuchmaschinen Kinder und Jugendliche in Recherchetechniken schult und ihnen hilft, eigene Maßstäbe für die Bewertung von Internetinhalten zu entwickeln. Auch der Umgang mit persönlichen Daten im Internet (z.B. bei Facebook) muss besprochen werden. Hier sind die Schulen, auch bereits die Grundschulen, gefordert.
  • Schließlich sollen Kinder positive Medienerfahrung sammeln. Hier setzen Projekte wie POSCON und Europäische Kommission an mit europäischen Checklisten für kindgerechte Angebote, einem europäischen Preis für gutes Kinder-Internet und mit einer generellen Sammlung von Angeboten
Die Kinderkommission des Deutschen Bundestags wird sich nach der Sommerpause mit dem Thema Kinder und Medien befassen. Sie wird sich aus der Perspektive der Kinderinteressen damit befassen, wie die rechtlichen Grundlagen in Deutschland (geregelt im Jugendmedienstaatsvertrag von 2003) an die Lebenswirklichkeit des Web 2.0 angepasst werden können.
Mit den besten Wünschen
Ulrike Bahr, MdB
Artikel veröffentlicht am: 10. Juni 2014