Lindau
"Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf"
Willy Brandt

Ja zur Unterführtung

Die SPD-Fraktion steht nach wie vor zu den Beschlüssen vom Juni 2005 und vom April 2006, sprich der Variante C einer Unterführung am Langenweg und der Fuß- und Radwegeunterführung an der Bregenzer Straße, die seinerzeit auf einen Antrag von Dr. Birk zurück ging.

Nach bestem Wissen und Kenntnisstand und nach Abwägung der Fakten kommen wir nach wie vor zu dem Schluss, dass die Unterführung die beste Alternative ist, die Schranken vor der Insel zu beseitigen.
An den entscheidenden Gründen, die damals zu diesen Beschlüssen geführt haben hat sich nicht geändert. Im Gegenteil: Sie wurden durch neue Berechnungen sogar untermauert.
1. Es wurden neue, zusätzliche Baugrunduntersuchungen und ein Grundwasser-Monotoring vorgenommen. Daraus ergibt sich, dass die Unterführung ohne Grundwasserwanne gebaut werden kann. Das stellt nicht nur der Bodengutachter fest, sondern das haben anerkannte, unabhängige Gutachter der FH Biberach bestätigt.

Auch in puncto Starkniederschläge und Bodenseehochwasser wurden weitere Sicherheitsstufen eingeplant. Basierte die früheren Pläne auf einem 50jährigen Niederschlagsereignis, hat man nun alle Planungen aufgrund der Klimaveränderungen auf ein 100jähriges Niederschlagsereignis berechnet und angepasst.
Auch hier hat ein unabhängiger Gutachter der FH Biberach das Entwässerungskonzept geprüft und bestätigt.
Ich zitiere aus der abschließenden Stellungnahme von Prof Nuding: „Die Annahme zur Berechnung extremer Regenereignisse lässt, in Verbindung mit Beckendimensionen, Pumpenleistungen und Pumpensteuerung, ein Höchstmaß an Sicherheit erwarten.”

Letztlich sind wir – Stadträte wie auch die Bürger – alle Laien auf diesem spezifischen Gebiet und wir müssen uns auf die Aussagen der Fachleute stützen und verlassen.

2. Neben der Bautechnik, die also mehrmals geprüft und für richtig befunden wurde; ist der nächste entscheidende Punkt die baurechtliche Umsetzung der Maßnahme, d.h. welche Schritte müssen gegangen werden, bevor überhaupt gebaut werden kann. Das Planfeststellungsverfahren für die Unterführung hat den ersten Schritt bereits getan. Der nächste – die Öffentlichkeitsbeteiligung steht unmittelbar bevor. Für den Bau einer Brücke hingegen müsste die Stadt erst einmal ein neues, langwieriges Bebauungsplanverfahren – wohlgemerkt auf eigene Kosten – in Gang setzen.
Insofern lässt sich konstatieren, dass nur mit dem Bau einer Unterführung in absehbarer Zeit die Schranken entfallen können und der Verkehr auf und von der Insel, die für uns immer noch Zentrum und Herz unserer Stadt ist, endlich fließen kann. Insbesondere wenn man die Prognose der Bahn zugrunde legt, wonach sich die Zugbewegungen bis zum Jahr 2025 etwa verdreifachen, bedeutet die Beseitigung der Schranken für Lindauer Bürgerinnen und Bürger und Gäste unserer Stadt gleichermaßen eine wesentliche Verbesserung.

3. Die Unterführung ist – abgesehen von den beiden erstgenannten Punkten – die wirtschaftlichste Lösung. Dabei denken wir nicht an die Kosten, die die Bahn zu schultern hat, sondern in erster Linie an die Kosten, die für die Stadt anfallen. Wir können uns gar keine andere Lösung leisten! Dass muss jedem bewusst sein, der anderes fordert.
- Denn der Bau einer verkehrstechnisch vergleichbaren und stadtbildverträglichen Brücke führt zu Mehrkosten von 3,0 – 3,5 Mio. Euro.
Diese Mehrkosten müsste die Stadt alleine tragen, denn sie unterliegen nicht der Kostendrittelung, noch werden sie vom Freistaat gefördert.
- Und demzufolge liegen die Unterhaltskosten, die pro Jahr dann im Verwaltungshaushalt zu stemmen wären um eine Viertelmillion höher! Denn für eine Brücke wäre alleine die Stadt Baulastträger, d.h. die Bahn und der Freistaat würden sich nicht an den Unterhaltskosten beteiligen.
Ohne massive Einsparung an anderer Stelle, könnte der städtische Haushalt diese Mehrbelastung nicht verkraften.
Im Übrigen muss erwähnt werden, dass wir mit der Thiersch-Brücke bereits ein negatives Beispiel haben, bei dem die Stadt alleine den immensen Sanierungsaufwand zu schultern hat. Wir dürfen uns nicht noch einmal ein solches Brückenbauwerk ans Bein binden.

4. Neben diesen Kostengründen sprechen aber auch andere gewichtige Argumente für die Unterführung:

- So ist eine Unterführung stadtbildverträglicher als eine Brücke, die ohne Zweifel einen wesentlich größeren Eingriff ins bestehende Stadtbild bedeutet.
- Die Lärmimmissionen für die Anwohner sind bei einer Unterführung weitaus geringer als bei einer Brücke, da die Unterführung naturgemäß Lärm schluckt. Bei einer Brücke hingegen müssen um Lärm zu vermeiden, zusätzliche 2 m hohe Lärmschutzwände angebracht werden. Und das in einer Höhe von 7 Meter über der Oberkante Gleise. Was für eine Verschandelung unserer Stadtsilhouette das bedeutet, mag sich jeder selber ausmalen.
- Ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt, der für die Unterführung spricht, ist die Nutzbarkeit für Fußgänger, Radfahrer und Menschen mit Behinderung. Für sie alle ist die geplante Unterführung weitaus praktikabler als eine Brücke, bei der wesentlich größere Höhen zu überwinden wären, da sie wie die Pkw ja auch, über die volle Höhe der Brücke geführt werden müssten.

Deshalb mein Appell an die Bürger: Bitte nehmen Sie die Informationen zur Kenntnis und verschließen sich nicht den Fakten. Gehen Sie zur Bürgerinformationsveranstaltung am 21. Juni, an der dann auch die Bürgerinitiative „Brücke statt Unterführung” beteiligt ist. Dort können Sie einen direkten Vergleich ziehen und Fragen stellen.

Noch kurz zur geforderten Teiltieferlegung:
Wir als SPD-Fraktion unterstützen natürlich die Forderung an die DB Netz nach optimalen Lärmschutzkonzepten, vor allem auch im Hinblick auf die geplante Elektrifizierung. Unser Ziel muss ein größtmöglicher Schutz vor weiteren Lärmimmissionen sein, darüber hinaus müssen die Maßnahmen auch städtebaulich verträglich sein. Hier nehmen wir die Bahn in die Pflicht.
Allerdings muss auch realistisch zur Kenntnis genommen werden, dass die Bahn die Kosten für eine Tieferlegung strikt ablehnt. Die Schlussfolgerung: Die Stadt müsste diese Kosten selbst übernehmen. Dies ist nicht zu finanzieren. Deshalb müssen realistische Alternativen gefunden werden. Auf der lärmintensivsten Strecke Deutschlands, am Mittelrhein, beispielsweise werden derzeit neue, innovative Lärmschutzmaßnahmen erprobt.

Artikel veröffentlicht am: 1. August 2012