Lindau
"Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf"
Willy Brandt

Die SPD-Fraktion stimmt für die Kombilösung

Die SPD-Fraktion stimmt für die Kombilösung und damit für den Bahnhofsstandort, der die altbewährte, wichtige Schienenanbindung auf die Insel erhält und zusätzlich neue Optionen in Reutin eröffnet. Es gibt mindesten acht triftige Gründe, warum wir die Kombilösung für die beste der drei Standort-Varianten halten:

Statement zu TOP 6 “Bahnhof Lindau, Standortentscheidung” in der Stadtratssitzung

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
werte Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren,

die SPD-Fraktion stimmt für die Kombilösung und damit für den Bahnhofsstandort, der die altbewährte, wichtige Schienenanbindung auf die Insel erhält und zusätzlich neue Optionen in Reutin eröffnet.

Es gibt mindesten acht triftige Gründe, warum wir die Kombilösung für die beste der drei Standort-Varianten halten:

1. Die Insel ist und bleibt das kulturelle und touristische Zentrum unserer Stadt und muss deshalb weiterhin zwingend ans Schienennetz angebunden bleiben.
Befragungen von Fahrgästen im September dieses Jahres ergaben, dass 36 % aller Fahrgäste das Ziel Insel haben; 6 % davon nutzen die einmalige Möglichkeit, von der Bahn direkt auf’s Schiff umzusteigen; 30 % steigen in einen anderen Zug um und nur 30 % wollen auf’s Festland. Kurz gesagt, jeder, der Lindau als Tourist besucht, will nicht nach Reutin, sondern auf die Insel. Die Schienenverbindung jetzt aufzugeben, heißt die Insel einerseits abzuhängen und sie auf der anderen Seite noch mehr dem Verkehrskollaps durch Pkw preis zu geben. Diese Folgewirkung muss jedem bewusst sein!

2. Mit der Kombilösung bleibt uns der Fernzughalt erhalten; künftig sogar mit doppelt so vielen ECs von München nach Zürich wie heute. Das sagt nicht irgendwer, sondern sichert der Leiter der DB Fernverkehr, Herr Garre, zu. Für unsere Bürger, aber auch Lindau als Tourismus- und Tagungsstadt ist es wichtig, dass der Fernverkehr nicht vorbei fährt, sondern hier hält.
Ganz entscheidend ist, dass wir darüber hinaus einen zusätzlichen – von uns seit langem geforderten- Nahverkehrshalt in Reutin erhalten. Das ist ein echter Zugewinn für Reutiner Bürger und Geschäftsleute und bringt für Fahrgäste aus der Schweiz und aus Vorarlberg entscheidende Vorteile.

3. Wir halten uns alle Optionen für die Zukunft, was eine Bodensee-S-Bahn angeht, offen.
Der Bahnhof auf der Insel besteht seit fast 160 Jahren. Es wäre doch viel zu kurz gedacht, diese Schienenverbindung jetzt aufzugeben, nur weil es derzeit noch kein Finanzierungskonzept für die Bodensee-S-Bahn gibt. Was in der Schweiz und Vorarlberg bestens funktioniert, sollte auch bei uns – insbesondere in Zeiten knapper Ressourcen – Zukunft haben. Der Inselbahnhof kann dann zum Taktknotenpunkt am westlichen Bodensee-Ufer werden.

4. Der Freistaat bezahlt die 3,5 Mio. Euro nur für die Kombilösung. Darauf haben sowohl Minister Zeil als auch Herr Liese vom Wirtschaftsministerium mehrfach hingewiesen. Der Freistaat stellt die Mittel nur deshalb zur Verfügung, weil ihm die Bedeutung der touristischen Destination Lindau bewusst und wichtig ist.

5. Auch wenn die Investitionskosten für die Kombilösung höher sind als bei einem Bahnhof nur in Reutin: es handelt sich hier um einmalige Kosten. Bei einem Hauptbahnhof Reutin müsste die Stadt bzw. die Stadtwerke jährlich mindestens 520 000 Euro für eine zusätzliche Stadtbuslinie aufbringen. Folgekosten also, die Jahr um Jahr den Haushalt belasten und keinen Spielraum lassen für andere wichtige Projekte. Als verantwortungsbewusste Stadträtin kann ich eine solche Entscheidung nicht mittragen.

6. Ein kleiner Bahnhalt in Reutin bedeutet einen wesentlich geringeren Eingriff in die Verkehrssituation rund um den Berliner Platz, da er nur aus Richtung Buttlerhügel angebunden werden muss. Ein Bahnhofs-Neubau hingegen würde den ohnehin schon überlasteten Berliner Platz vollkommen zum Erliegen bringen.

7. Auch bei der Kombilösung werden Flächen sowohl auf der Insel als auch in Reutin frei. Und die Bahn hat durchaus ein Interesse diese rückzubauen und zu verwerten. Das sind sicherlich nicht so große Flächen wie wenn die Züge ganz von der Insel verschwänden; wer aber nur auf freiwerdenden Flächen schielt, muss sich auch fragen lassen, was denn mit diesen passieren soll oder ob das Bahnhofsareal an einer der schönsten Stellen der Stadt dann nicht jahrelang zur Brache wird .

8. Bei einem reinen Bahnhof Reutin will die Bahn den Eisenbahndamm entwidmen und dann baldmöglichst veräußern, das hat Herr Hentschel auf meine Frage in der Klausurtagung gesagt. Die Stadt, die auf diesen Zugang für Fußgänger und Radfahrer angewiesen ist, könnte den Damm kaufen, hätte dann aber für alle Zukunft den Sanierungsaufwand an der Backe.

Selbstverständlich will ich nicht verhehlen, dass es derzeit eine Zumutung ist am Eisenbahndamm oftmals bis zu 15 Minuten vor der geschlossenen Schranke zu warten. Deshalb ist es folgerichtig, dass in die Kombilösung gleich eine Fußgänger- und Radfahrer-Unterführung mit aufgenommen wurde. Das schafft Abhilfe und entzerrt die oft chaotischen Zustände, wenn nach langer Schließzeit alle auf einmal über die Schranken wollen.

Zum Schluss möchte ich noch an den Stadtratsbeschluss vom Januar 2004 erinnern. In diesem Beschluss spricht sich der Stadtrat einstimmig – also auch mit den Stimmen der CSU – für das städtebauliche Leitbild Insel – Festland aus, in dem es heißt, ich zitiere:” Erhalt der schienengebundenen Anbindung der Insel mit der Bedienung von Insel und Festland durch Nah- und Regionalzüge… dadurch können auch die attraktiven Verbindungen zum Schiffsverkehr erhalten werden”.
Heute gilt dieser Beschluss offensichtlich nicht mehr. Jetzt will man nur noch einen Shuttlezug von Reutin auf die Insel. Doch dieser ist von Minister Zeil sowie von der Bahn klar abgelehnt worden. Deshalb sollte nun Schluss sein mit Träumereien. Wer die Insel auf der Schiene anbinden will, muss für die Kombilösung sein. Einen anderen Weg, gibt es nicht; auf jeden Fall keinen, der nicht allein auf Kosten der Stadt geht.

Angelika Rundel

Artikel veröffentlicht am: 25. Oktober 2011