Lindau
"Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf"
Willy Brandt

Des isch bitter!

Leserbrief von Hermann Dorfmüller, Lindau

Das ist der CSU noch nicht passiert: Sie befindet sich im Stadtrat in der Minderheit. Ihre Oberbürgermeisterin ist ihnen abhanden gekommen und ihre verlässlichen Freunde von den Freien Bürgern haben sich emanzipiert. Sogar ihre eigene Fraktion ist in der alles überlagernden Bahnhofsabstimmung von zwölf auf zehn Mitstreiter geschwunden.

Wie hat kürzlich der schwäbische Sänger Walter Spira im Zeughaus gesungen?

“Des isch bitter,
des duadt weah,
des haut di nieder,
oh yeah!”

Einigkeit herrscht bei zwei Dritteln des Stadtrats: „ Mehr Bahn für Lindau mit der Kombilösung!” Aber die wollen die CSU-Oberen verhindern. Man muss sich ja unterscheiden. Zuerst werden die Kostenberechnungen der Stadtwerke für eine Busanbindung der Insel als unseriös zurückgewiesen.

Dann kommt ihr OB Kandidat mit seiner Straßenbahn zur Insel. Die muss er gleich kassieren. Dafür vermisst er beim Beschluss zur Kombilösung bei der Stadtratsmehrheit die notwendige Kompetenz. Nun versucht die CSU mit ihrem Verkehrsexperten das Shutlle-Bähnle zur Insel, das die DB-AG im April dieses Jahres wegen 15,6 Millionen € Kosten beerdigt hatte, wieder zu beleben. Bis sich herausstellt, dass sie den Lindauern wider besseres Wissen die weitaus teuerste Lösung und ein Bürgerbegehren in ihrem Sinne aufschwätzen will. Und schlussendlich hat ihr OB-Kandidat noch das Solarboot zwischen Ladestraße und Lindauer Hafen in der Hinterhand. Jetzt werden die Vorschläge völlig zur Lachnummer: Landungssteg im Schilf des Naturschutzgebiets Reutiner Bucht und ein Boot, das nicht einmal im Stundentakt verkehren könnte! Da fällt doch glatt die Kompetenz des Verkehrsexperten der CSU ab wie ein Feigenblatt.

Was bleibt außer der Kombilösung? Inselbahnhof pur ohne EC-Halt in Lindau oder Reutin pur ohne Inselanbindung. Aber alles, was die CSU vorschlägt, erfordert mehrere Meter hohe Schallschutzmauern auf beiden Seiten des Gleiskörpers quer durch Aeschach und Reutin.

Wenn die CSU jetzt beteuert, niemand will die Insel vom Schienenverkehr abhängen, fehlt nur noch die Behauptung, niemand will eine Mauer bauen. Stimmt ja auch. Es werden zwei!

Artikel veröffentlicht am: 15. Juni 2011