Lindau
"Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf"
Willy Brandt

Der Bahnhof gehört auf die Insel

Stellungnahme der SPD Lindau zum Standort des Lindauer Bahnhofs

Niemand soll sich durch die neuesten „Angebote” der DB AG täuschen lassen. Sie verfolgt weiterhin einen einzigen Lindauer Bahnhof und der soll in Lindau-Reutin stehen. Eine Inselanbindung wird brüsk abgelehnt. Alle jahrelangen Verhandlungen, die einstimmigen Beschlüsse des Stadtrats zur Verlegung des Bahnhofs, die Anbindung der Insel durch den Regionalverkehr und die Zugeständnisse an die DB AG hinsichtlich der frei werdenden Insel-Bahngrundstücke waren umsonst. So wurden die Lindauer Stadtentwicklung fast 20 Jahre lang blockiert und die Lindauer Bürger weichgekocht. Jetzt sollen sie entscheiden. Und zwar schnell. Und dann sollen sie zahlen!

Diese Jahrhundert-Entscheidung muss aber sorgfältig und ohne Zeitdruck getroffen werden. Deshalb ist es uns ein Anliegen, die Bürgerinnen und Bürger über unseren Standpunkt zu informieren:

Hauptbahnhof muss auf der Insel bleiben

Der Inselbahnhof braucht kein neues Planfeststellungsverfahren wie der Bahnhof Reutin, von dem nicht sicher ist, ob es die DB AG durchsetzen kann.

Er bleibt für 90 Prozent der Bahnreisenden, die mit den Regionalzügen ankommen und abfahren, erhalten, ebenso das Alleinstellungsmerkmal der Fahrt übers Wasser wie auf Sylt und in Venedig.

Die Insel als Zentrum wird nicht weiter geschwächt. Die Bahnreisenden wollen in ihrer großen Mehrheit auf die Insel, auch im Winter: Sehenswürdigkeiten und die ganze Infrastruktur für Gäste sind auf kürzestem Wege auf der Insel konzentriert. Hier kann man gleich vom Bahnhof auf die Bodensee-Schifffahrt umsteigen.

So entsteht auf der Insel ein Taktknotenpunkt mit Umsteigemöglichkeiten in alle Richtungen ohne lange Wartezeiten. Voraussetzung hierfür sind acht Gleise, die bereits im Inselbahnhof vorhanden sind. Nur so kann die Bodensee-S-Bahn der Zukunft Lindau mit dem vorhandenen Schienennetz verbinden.

Vor allem aber Aeschach und Reutin werden nicht von mehreren Meter hohen Schallschutzmauern zerschnitten, weil die Regionalzüge auf der bestehenden Trasse nur auf die Insel fahren und so kein zusätzliches Verkehrsaufkommen auf der Trasse quer durch Aeschach und Reutin entsteht. Dies sind wir nicht nur den Anwohnern, sondern auch unserer Gartenstadt schuldig.

Mit elektronisch gesteuerten, automatisierten Schrankenübergängen könnten die überdehnten Schließzeiten der Schranken vermieden und aufwändige Unter- bzw. Überführungen am Langenweg bzw. an der Bregenzer Straße und ihre Finanzierung zeitlich nach hinten rücken. Im Übrigen dürfen Fußgänger und Radfahrer nicht bestraft werden, wenn sie umweltfreundlich über den Eisenbahndamm zur Insel wollen. Die langen Wartezeiten an der Bahnschranke sind unzumutbar.

Zusätzlich zum Inselbahnhof muss im bestehenden Reutiner Bahnhof eine Einstiegs- bzw. Ausstiegsmöglichkeit für Passagiere des EC und der Vorarlberger S-Bahn geschaffen werden. Das ist auch als Verbindung des Festlands mit der Insel und für die Anreise aus Österreich und der Schweiz z. B. zum Lindau-Park als Alternative zum PKW notwendig. Aus den selben Gründen brauchen wir die Wiedereröffnung der Bahnhalte im Zech und in Oberreitnau und einen geschützten Zugang zum Haltepunkt Aeschach in Richtung Friedrichshafen und Kempten.

Für uns ergibt sich daher aus verkehrstechnischen, energiepolitischen und ökologischen Gründen unser eindeutiger Standpunkt:

Der Bahnhof bleibt auf der Insel.

Jahrzehntelang wurde er von der Bahn heruntergewirtschaftet. Um funktions- und zukunftsfähig zu werden, muss er nach Westen zu den Parkplätzen und zum Busbahnhof geöffnet und die Bahnbrache auf der Insel entfernt werden. Nur so kann die Westliche Insel weiter entwickelt werden.

Der Eingangsbereich zum Bahnhofsgebäude bzw. zu den Bahnsteigen ist durch die veralteten, schweren Schwingtüren nicht nur für Passagiere mit Gepäck eine Zumutung.

Das gesamte Gebäude muss unter der Berücksichtigung des Denkmalschutzes saniert werden.

Damit kann die Bahn gleich beginnen!

Artikel veröffentlicht am: 30. April 2011