Lindau
"Gerade wer das Bewahrenswerte bewahren will, muss verändern, was der Erneuerung bedarf"
Willy Brandt

Aktion Rollentausch

MdL Paul Wengert hat als Pflegehelfer im AWO Seniorenzentrum in Kempten Einblick in Pflegealltag gewonnen. Lesen Sie hierzu einen Erfahrungsbericht von Paul Wengert selbst.

Anlässlich der „Aktion Rollentausch“ unterstützte ich eine Altenpflegerin im AWO-Seniorenzentrum Kempten bei ihrer täglichen Arbeit. Sandra Schönberg nahm mich zur morgendliche Grundpflege bei mehreren Bewohnern mit. Nach dieser Erfahrung muss ich der Altenpflegerin großen Respekt zollen. Ich war schwer beeindruckt, mit wie viel Fachkunde, Geduld, Zuwendung und Einfühlungsvermögen Frau Schönberg sich gerade um die demenzkranken Bewohnerinnen gekümmert hat.
Die „Aktion Rollentausch“ ermöglicht uns Politkern jedes Jahr, für einige Stunden in einer sozialen Einrichtung zu hospitieren und so den Alltag kennenzulernen. Bereits in den vergangenen Jahren habe ich mich an der Aktion beteiligt. Heuer nutzte ich die Möglichkeit, im AWO-Seniorenzentrum in Kempten-Lenzfried Informationen über die aktuelle Situation in Pflegeheimen zu erhalten.

Für Heimleiter Bernhard Palinsky ist das menschliche Miteinander im AWO-Seniorenzentrum Kempten ein wichtiges Anliegen. Klar war, dass eine stetige Verbesserung der finanziellen Ausstattung der Pflegeheime wichtig ist, die auf Grund des steigenden Alters, in dem die Menschen ins Heim kommen, immer mehr pflegerische Aufgaben wahrnehmen müssen und dafür auch die personelle Ausstattung mit qualifiziertem Pflegepersonal brauchen. Die SPD-Landtagsfraktion hat sich schon in zahlreiche Initiativen für Verbesserungen im Pflegesystem eingesetzt, die aber letztlich an der Mehr-heitsfraktion und der Bayerischen Staatsregierung gescheitert sind.

Im Gespräch mit dem Auszubildenden Timo, der kurz vor seiner Prüfung steht, erfuhr ich, dass der Beruf des Altenpflegers nicht seine erste Berufswahl war. Erst durch eine Pflegesituation in der eigenen Familie stieg sein Interesse an einem pflegerischen Beruf, in dem er leider als Mann immer noch eine Ausnahme ist. Die Umschülerin Viktoria, die nach einigen Jahren als Altenpflegerin eine Umschulung zur Kauffrau für Bürokommunikation absolviert, berichtete, dass sie der psychischen und physischen Belastung des Berufs nicht gewachsen war. Dieter Egger, Stellvertretender Vorstand des AWO-Bezirksverbands Schwaben, erzählte von ähnlichen Fällen, bei denen Altenpflegerinnen den Beruf wechseln: „Die Altenpflege ist ein sehr fordernder Beruf mit wenig Erfolgserlebnissen, da bekannt ist, dass die Bewohner am Ende ihres Lebens stehen. Da ist es schwer, Erlebnisse und Schicksale aus dem Arbeitsalltag nach Arbeitsende zu vergessen und abzuschalten.“

Artikel veröffentlicht am: 30. Mai 2014